Der Schauspieler und Intendant Erich Ponto (1884‒1957) wirkte 30 Jahre in Dresden, sein Name ist mit zahlreichen Ehrungen in dieser Stadt verbunden, obwohl seine Mitwirkung in Propagandafilmen der NS-Zeit bekannt war. Seine Rolle in Theater und Film während des Nationalsozialismus ist Gegenstand einer Archivforschung des Staatsschauspiels Dresden in Kooperation mit dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden, der Sächsischen Akademie der Künste, dem Förderverein des Staatsschauspiels Dresden e.V. und dem Dresdner Geschichtsverein. In öffentlichen Vorträgen und Podien mit namhaften Wissenschaftlern und Historikern werden Ergebnisse vorgestellt, historisch eingeordnet und kontextualisiert.
Angestoßen durch einen Beitrag von Oliver Reinhard in der Sächsischen Zeitung, ist die Biografie des Schauspielers und Intendanten Erich Ponto zum Gegenstand einer neuen Untersuchung über die Rolle dieses Künstlers in der Theater- und Filmproduktion in der Zeit des Nationalsozialismus geworden. Die Tatsache, dass Ponto als Schauspieler in Propagandafilmen der NS-Diktatur mitgewirkt hat, darunter dem antisemitischen Propagandafilm Die Rothschilds, war bekannt. Dennoch wurde Erich Ponto in der Nachkriegszeit und bis in die Gegenwart hinein als unbelasteter Künstler betrachtet, ein Ehrengrab und eine Straße mit seinem Namen zeugen in Dresden davon, ebenso ist er als Ehrenmitglied des Staatsschauspiels Dresden geführt und der Nachwuchspreis des Fördervereins des Staatschauspiels ist nach ihm benannt. Im Auftrag des Staatsschauspiels hat eine umfangreiche Recherche durch das Historische Archiv der Sächsischen Staatstheater stattgefunden, deren Ergebnisse präsentiert und diskutiert werden. Kontextualisiert wird diese Aufarbeitung durch die Analyse vergleichbarer Biografien und der Methoden antisemitischer Propaganda im Nationalsozialismus. Entspricht die Geschichte Erich Pontos dem Muster einer Anpassungsbiografie in der Diktatur? Welches Bild ergibt sich aus dem gegenwärtigen Stand der Forschung und welche Schlussfolgerungen lassen sich ableiten? In Vorträgen und zwei Podiumsgesprächen geht das Symposium diesen Fragen nach und lädt zur Diskussion ein
Symposium 10 ‒ 16 Uhr
Vorträge
- Sören Frickenhaus, Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater: »Erich Ponto und die NS-Vergangenheit – Einblick in neue Recherchen«
- Dr. Bernhard Gotto, Institut für Zeitgeschichte in München: »Nachholende Distanz: Filmschaffende in der NS-Diktatur/Filmfunktionäre in der Bundesrepublik«
- Prof. Dr. Jürgen Müller, TU Dresden: »Der Ewige Jude als Geschäftsmodell – Antisemitismus im Kino der Weimarer Zeit«
- Dr. phil. Justus H. Ulbricht, Historiker: »Theater als ›Moralische Anstalt‹? – Personelle Kontinuitäten auf sächsischen Bühnen nach 1945«
- Dr. Andreas Kötzing, Hannah-Arendt-Institut der TU Dresden: »Warum so spät? – Neue Impulse zum Umgang mit Künstlerbiographien und Funktionären aus dem NS-Filmwesen nach 1945«
Podiumsdiskussionen
»Der Fall Erich Ponto im historischen Kontext«
Mit Sören Frickenhaus, Dr. Bernhard Gotto, Dr. Andreas Kötzing, Dr. Jürgen Müller, Dr. phil. Justus H. Ulbricht
Moderation: Dr. Jörg Bochow, Chefdramaturg und stellvertretender Intendant am Staatsschauspiel Dresden
»Erich Ponto und der Umgang mit seiner Biografie heute«
Mit Dr. David Klein, Amtsleiter für Kultur und Denkmalschutz Stadt Dresden, Joachim Klement, Intendant Staatsschauspiel Dresden, Oliver Reinhard, Leiter Feuilleton Sächsische Zeitung, Dr. Birgit Sack, Leiterin der Fachkommission historische Persönlichkeiten der Stadt Dresden, Jens Zander, Präsident Förderverein Staatsschauspiel Dresden e.V.
Moderation: Dr. Caroline Förster, Geschäftsführerin des Dresdner Geschichtsvereins
Um Anmeldung unter tickets@staatsschauspiel-dresden.de bis 27. Februar 2026 wird gebeten, die Karten sind kostenlos.
Eine Veranstaltung des Staatsschauspiels Dresden in Kooperation mit dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden, der Sächsischen Akademie der Künste, dem Förderverein des Staatsschauspiels Dresden e.V. und dem Dresdner Geschichtsverein.
Mit freundlicher Unterstützung der Landeshauptstadt Dresden Geschäftsbereich Kultur, Wissenschaft und Tourismus.
Um 19:30 Uhr zeigt das Staatsschauspiel Dresden im Schauspielhaus, Theaterstraße 2, »Mephisto« nach Klaus Mann.