Seit vielen Jahren in Finnland lebend, schreibt sich Dorothea Grünzweig auch in ihren neuen Gedichten durch die finnischen Jahreszeiten. Kaamos – die sonnenlose Winterzeit des Nordens, Zeit im Mittwinter, in der in Lappland die Sonne nicht aufgeht – ist der Ausgangspunkt ihrer poetischen Reise. Ihr Blick, ihre Sprache bleibt dabei immer suchend, tastend, um das Geheimnis kreisend. Obwohl sie seit Jahren diese Themen umschreibt, erschöpft sich ihre Sprache nicht, nein, sie wird vielfältiger im Ausdruck und zielt zugleich immer mehr auf das Exemplarische hin. Bei Dorothea Grünzweig scheinen selbst die Wortneuschöpfungen zweitausend Jahre alte Worte zu sein. Sie fügen sich ein in den aus der Natur herausgewachsenen Sprachkosmos, aus dem sie für ihre Gedichte schöpft. Es ist nicht das Finnische, das ihre Sprache auflädt. Aber es ist das Leben in dieser finnischen Natur und Weite, das ihre Sprache nach innen und außen zu weiten scheint – immer innerlicher, immer weiter wird ihre Sprache. Nie ist sie die Wissende, immer ist sie die Erfahrende, die Fragende vor der Natur und deren Gewalten. Grünzweigs Suche nach einer Heiligen Sprache hat nichts Schamanisches, sie ist Ausdruck der Sehnsucht, der Natur nahe zu kommen, das zu verstehen, dessen Teil man ist und sein möchte.
Musik: Laura Kokko, Violine
6 € | 4 €
Eine Kooperation der Literarischen Arena e.V., der Evangelischen Akademie Sachsen und der Museen der Stadt Dresden.