Zsuzsanna Gahse zeigt in nahezu allen ihren Texten einen Hang zum Skurrilen, zum Slapstick, zur Clowneske, zur phantastischen Überhöhung. Sie vermeidet Breite und Redundanz. Ihre Texte sind luftig und atmen, sind bewusst befreit von überflüssigen Inhalten. Das Fragmentarische kommt der Realität nahe und ist ihr wichtiger als auktoriales Erzählen. Spielbeginn. Verrutschungen liest man am besten wie ein Theaterstück. Wie in Samuel Becketts Warten auf Godot vertreiben sich die Personen die Zeit des Wartens mit Gesprächen über den Sinn des Lebens und die Ursprünge und Verwandlungsfähigkeiten der Sprache. Der Leser wird mit Sprechenden konfrontiert, die sich über das Wortemachen selbst Gestalt geben, die – wie ein Puppenspieler seine Marionetten – erdachte Träume und Visionen aufrichten, damit beschäftigt, ihre ureigensten Möglichkeiten durchzuspielen. Und das geschieht nicht selten antithetisch, mit Wegwischen und Platzmachen für neue Thesen. Während Samuel Beckett in seinen Texten die Grenzen des Erzählens auslotet und sich in Richtung zweckfreier Rede und Schweigen bewegt, kann man bei Zsuzsanna Gahse die umgekehrte Bewegung beobachten – aus Tönen entstehen Silben, Worte, Wortgruppen, Sätze, Zusammenhänge in denkender Sprache, die ins Erzählen münden. Das Sinnliche spielt eine große Rolle, Körpersprache, Blicke, Gestik als Parallelsprache, das Wittern, die Toleranzgrenzen der Ohren. Darin geht sie über Beckett hinaus. Wer sich auf Spielbeginn einlässt, begegnet dem Abenteuer der Sprache.
6 € | 4 €
Eine Kooperation der Literarischen Arena e.V., der Evangelischen Akademie Sachsen und der Museen der Stadt Dresden.