Der Publizist, Sozialwissenschaftler und Theologe Ulfrid Kleinert beschreibt in seinem Band »Biblische Farbenpracht« die monumentalen Gemälde in der Loggia des Dresdner Schlosses. Die Fresken wurden jahrelang restauriert und leuchten nun wieder im Großen Schlosshof der einstigen Residenz. Mit der prächtigen Ausstattung ließ sich der Bauherr Kurfürst Moritz von Sachsen Mitte des 16. Jahrhunderts als Feldherrn und christlichen Fürsten feiern.
Kenntnisreich und detailliert erklärt Ulfrid Kleinert die dargestellten Figuren und den biblischen Kontext: die Königin von Saba und König Salomo, die drei Weisen aus dem Morgenland und das Jesuskind, den alttestamentlichen Feldherrn Josua und Paulus, der sich vom Christenverfolger zum Christen wandelt und ein großer Apostel wird.
Mit spürbarer Begeisterung führt Kleinert von Stockwerk zu Stockwerk des Schlosses. Er vergleicht die elf Meter breiten und drei Meter hohen Gemälde mit Darstellungen anderer Künstler, deutet die Spruchbänder über den Reliefs, zieht Linien von kriegerischen Szenen bis in die Gegenwart. Mit manchen Fragen schürft er in theologische Tiefen: Kann der auferstandene Gott Jesus Christus sein, wenn seine geöffneten Hände nicht die Wundmale der Nägel zeigen? Wer ist es dann?
Im zweiten Teil des Buches erläutert der leitende Restaurator Matthias Zahn die Techniken der Sgraffito- und Freskodekorationen. Detailliert beschreibt er die hoch komplizierten, langwierigen Arbeitsprozesse: Mit Holzstäbchen, Stricknadeln und selbst gebauten Kratzeisen wurden die Schwarz-Weiß-Bilder in den noch weichen Putz geritzt und gekratzt. Für den Farbauftrag wurde der Untergrund mit einer Rieselanlage im Sommer feucht gehalten. Oft arbeiteten ein Dutzend Künstler und Restauratoren gleichzeitig nebeneinander.
Der Band Biblische Farbenpracht erscheint im Radebeuler Notschriften-Verlag in erweiterter zweiter Auflage. Ulfrid Kleinert stellte ihn kürzlich in Radebeul vor. Es war eine seiner letzten Veranstaltungen in Sachsen. Kleinert kam 1991 als Gründungsrektor der Evangelische Hochschule für Sozialarbeit in seine Geburtsstadt Dresden zurück und lehrte hier bis 2006. In der Justizvollzugsanstalt engagierte er sich 25 Jahre lang als Vorsitzender des Anstaltsbeirats für die Belange Inhaftierter und Entlassener. Auf sein Wirken geht die unzensierte Gefangenen-Zeitung Der Riegel zurück.
Kleinert leitete Tagungen und Studienreisen, initiierte und organisierte die Reihe »Reden in Kötzschenbroda« mit 70 Veranstaltungen und publizierte unermüdlich Forschungsberichte, Rezensionen und wissenschaftliche Beiträge zu Themen aus Kriminologie und Religion. Jetzt zieht der 84-Jährige aus familiären Gründen mit seiner Frau nach Hamburg.