Am 24. September startet das Festival Literatur JETZT! in sein 17. Jahr. Nach dem Besucherrekord im vergangenen Jahr und vielen ausverkauften Lesungen haben die Macher auch in diesem Jahr ein spannendes Programm zusammengestellt. Darunter sind bekannte Namen wie Jenny Erpenbeck, die 2024 mit dem Roman »Kairos« den International Booker Prize gewonnen hat, oder die Spiegel-Bestsellerautorin Julia Schoch. Literaturfans können sich außerdem unter anderem auf Jonas Lüscher, Kristine Bilkau (Gewinnerin des Preises der Leipziger Buchmesse 2025), Thomas Melle und Raoul Schrott freuen.
Ein Highlight am Samstagabend ist die Leseperformance zu Liv Strömquists Comic »Ich fühl’s nicht« vom Kollektiv storytelling engines aus Freiburg im Breisgau. Wir haben Lucy Wirth, eine der drei engines, gefragt, was das Dresdner Publikum da erwartet.
Was hat euch an Liv Strömquists Comic Ich fühl’s nicht so interessiert, dass ihr es für die Bühne adaptiert habt?
Uns hat als Erstes die Einleitung mit dem Bezug auf Leonardo DiCaprios Beziehungsunlust gekriegt – und dann die tiefgehende Analyse, die darauf folgt. Wie immer bei Liv Strömquist ist das Buch sehr dicht und gehaltvoll, aber auch sehr unterhaltsam. Auch wenn wir heute mehr denn je über Liebe und Geschlechterrollen reflektieren, könnte es doch sein, dass wir trotzdem ganz schön tief drinstecken in unseren Prägungen. Das zu untersuchen hat uns interessiert.
Wer sind die storytelling engines eigentlich? Wie habt ihr euch gefunden und was hält euch zusammen?
Wir sind ein Künstler*innenkollektiv, bestehend aus den Performerinnen Tjadke Biallowons, Isabella Bartdorff, Lucy Wirth und Tom Schneider als Outside Eye. Lucy Wirth kam nach der ersten Arbeit des Kollektivs hinzu, für die Comiclesung zu Im Spiegelsaal von Liv Strömquist. Bei der Zusammenarbeit haben wir Performerinnen festgestellt, dass unsere unterschiedlichen Herangehensweisen eine interessante Reibung erzeugen, unsere Lebenslagen als berufstätige Mütter uns verbinden, und unsere Stimmen sich hervorragend für dreistimmigen Gesang eignen.
Wie macht man das überhaupt: Aus einem Comic eine szenische Lesung entwickeln? Wie frei seid ihr dabei?
Das ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Bei Liv Strömquist ist nochmals speziell, dass ihre Comcis sehr viel Text enthalten. Als wir den puren Text ohne die Bilder durchgelesen haben, hat es sich angehört, als würden drei weinselige Philosophinnen einen Abend zusammen verbringen. Das fanden wir schon mal eine gute Anlage. Wir haben uns entschieden, zusätzlich zur Vorlage auch unsere eigenen Geschichten einzubringen. Erst in den letzten Tagen vor der Premiere kam die Idee mit den Zeichnungen im Comic als Kulisse hinzu, zur Untermalung und Orientierung. Da hatten wir natürlich Glück, dass Kollektivmitglied Isabella Bartdorff den Strömquist-Stil so gut nachzeichnen kann.
Worauf darf sich das Publikum freuen, wenn ihr die Festivalbühne entert?
Ein lebendiges, unterhaltsames, lehrreiches, berührendes Gespräch über Liebe. Drei Frauen, die das Gespräch performen wie eine gut eingespielte Jazzband – komplett mit Solis und Improvisationen. Und wer Glück hat, bekommt einen frischen Saft serviert!
Das Gespräch führte Helge Pfannenschmidt
Aus dem Festivalprogramm:
19.09. | 20 Uhr (im Societaetstheater)
Festival-Warm-Up mit Mareike Fallwickl und Eva Reisinger: PEN!SMUSEUM
24.09. | 19 Uhr
Jenny Erpenbeck und John Erpenbeck. Eine Familie, die DDR und die Literatur
25.09. | 17.30 Uhr
Lyrikparcours mit Daniela Danz und Nail Doğan
25.09. | 18.30 Uhr
Jonas Lüscher liest »Verzauberte Vorbestimmung«
25.09. | 19 Uhr
Kristine Bilkau liest »Halbinsel«
25.09. | 21 Uhr
Raoul Schrott präsentiert »Atlas der Sternenhimmel und Schöpfungsmythen der Menschheit«
26.09. | 17.30 Uhr
26.09. | 18 Uhr
Jakob Hein liest »Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste«
26.09. | 19.30 Uhr
26.09. | 21 Uhr
Die Pop & Poesie-Show mit Afrob und Sookee
26.09. | 23 Uhr
27.09. | 17 Uhr
Schwarze Wut und weiße Schuld. Lesung und Gespräch mit Raphaëlle Red und Lene Albrecht
27.09. | 18 Uhr
Julia Schoch liest »Wild nach einem wilden Traum«
27.09. | 19.30 Uhr
Thomas Melle liest »Haus zur Sonne«
27.09. | 21 Uhr
storytelling engines: »Ich fühl’s nicht« von Liv Strömquist
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