Im Zentrum des Abends »Belarus – Literatur und Musik zwischen Satire und Dystopie« am 12. Januar steht der belarussische Schriftsteller Alhierd Bacharevič, eine der kompromisslosesten Stimmen der osteuropäischen Gegenwartsliteratur. Geboren 1975 in Minsk, arbeitete Bacharevič zunächst als Musiker und Übersetzer, bevor er sich ganz dem Schreiben zuwandte. Seit den Protesten gegen das Lukaschenko-Regime 2020 lebt er im Exil, derzeit in Berlin. In Belarus wurden mehrere seiner Texte wurden als »extremistisch« eingestuft, was deren Verbreitung zu einer Straftat macht.
2025 erhielt Alhierd Bacharevič den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für seinen Roman Europas Hunde. Das Buch ist ein literarisches Großprojekt und zugleich eine schonungslose Diagnose Europas. Es spielt auf mehreren Zeitebenen zwischen der Gegenwart und einer nahen Zukunft. In lose miteinander verbundenen Erzählsträngen schildert Alhierd Bacharevič das Leben in autoritär regierten Staaten sowie in einem zunehmend abgeschotteten Europa. Die Handlung führt unter anderem nach Belarus, Deutschland und in fiktive Länder, die realen politischen Systemen ähneln. Im Zentrum stehen verschiedene Figuren: ein Schriftsteller, dessen Texte der staatlichen Zensur unterliegen; Jugendliche, die in einem politisch kontrollierten Bildungssystem aufwachsen – sowie Menschen im Exil, die ihre Herkunftsländer verlassen mussten. Ihre Lebenswege zeigen, wie politische Macht in den Alltag eingreift und persönliche Entscheidungen beeinflusst.
Eine wichtige Rolle spielt die Kontrolle von Sprache und Kultur. Mehrsprachigkeit wird zunehmend eingeschränkt und als politisches Risiko betrachtet, Literatur systematisch überwacht, reguliert oder vollständig verboten. Bücher verschwinden aus Bibliotheken, Schulen und Buchhandlungen, Autorinnen und Autoren werden aus dem kulturellen Gedächtnis entfernt. Gleichzeitig entstehen abseits offizieller Strukturen neue Formen des Schreibens, die sich staatlicher Kontrolle entziehen und im privaten oder informellen Raum zirkulieren.
Europas Hunde zeigt diese Entwicklungen in literarischer Form und macht sichtbar, wie eng politische Macht, kulturelle Steuerung und individuelle Lebensläufe miteinander verbunden sind.
Ein Interview mit Alhierd Bacharevič ist hier nachzuhören: www.rbb-online.de