Joachim Sartorius, Foto: Harald Krichel
Autor Volker Sielaff fragt, Bild: privat
/ 2
17.08.2020
Volker Sielaff

DIE FÜNF. Fragen an Joachim Sartorius

Zurück

Aristoteles unterschied fünf Sinne des Menschen: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tastsinn.

Nach taoistischer Tradition gibt es fünf Elemente: Wasser, Feuer, Erde, Holz, Metall.

Die Fünf ist auch die Zahl der Liebe.

Der Autor Volker Sielaff findet: Grund genug, Schriftstellerinnen und Schriftstellern fünf Fragen zu stellen und sie um grundlegende wie sinnlich-sinnige Antworten zu bitten.

Worüber haben Sie zuletzt gestaunt?

Das große Staunen ist ein Privileg der Kindheit. Später verwundert uns immer weniger, weil wir von Erklärungen und Erfahrungen zugeschüttet wurden. Ein betrüblicher Befund. Doch »funkt« es noch ab und zu. So neulich, als mir bei einem See in Groß-Köritz eine Smaragdeidechse über den Weg lief. Solch ein Neongrün hatte ich noch nie gesehen. Es saß mir noch abends in den Augen.

Worüber waren Sie zuletzt zornig?

Zornig sein: Das kenne ich eigentlich nicht. Eher: ungehalten, oder: enttäuscht. Von vielem. Von den Wählern, die Verrückte in mächtige politische Ämter hieven, bis zur um sich greifenden Political Correctness, die vieles unter Strafe stellen will, was den Charme, den Schmelz und die Verwegenheit unseres Lebens ausmacht.

Welcher Ort inspiriert Sie?

Syrakus auf Sizilien. Für die Griechen war dieser Ort vor 2500 Jahren das New York des Mittelmeers. Dass Sophocles hier Stücke zur Uraufführung brachte, Archimedes wilde Kriegsmaschinen erfand, der Tyrann Dionysos die Lyra von Euripides für teures Geld ersteigerte und die schmachtende Nymphe Arethusa sich im Papyrushain versteckte – all das ist heute noch erfahrbar und präsent.

In welche Zeit würden Sie sich mit einer Zeitmaschine befördern lassen?

Gerne nach Mantua, an den Hof der Gonzagas in der Renaissance. Da hätte ich dann vielleicht die Chance, Andrea Mantegna beim Malen der Fresken in der Camera degli Sposi zuzuschauen. Herrlich!

Welche historische Person würden Sie gern für eine ausgedehnte Berg- bzw. Strandwanderung treffen?

Ich würde gerne mit Charlie Chaplin am Strand von Long Island entlang wandern und von ihm den Purzelbaum rückwärts lernen.

Veranstaltungshinweis: Joachim Sartorius wird – genauso wie die erste Interviewpartnerin übrigens Katrin Schumacher – am 27. September 11 Uhr bei der Naturkunden-Matinee des Festivals Literatur JETZT! zu Gast sein. Im Saal des Zentralwerks Dresden (Heidestraße gegenüber Mälzerei). Zum Programm 

In Folge 2 lasen Sie: Kathy Zarnegin

 

Joachim Sartorius, geb. 1946, ist in Tunis aufgewachsen. Er war Programmleiter beim DAAD, Generalsekretär der Goethe-Institute und Intendant der Berliner Festspiele. Das Festival »Eventi Letterari« auf dem Monte Veritá gestaltete er mit. Bücher schrieb er über Alexandria, Zypern und die türkischen Prinzeninseln. Herausgeber von Werkausgaben (W. C. Williams, Malcolm Lowry) und Anthologien (u.a. »Atlas der Neuen Poesie«). Zahlreiche Gedichtbände, zuletzt »Für nichts und wieder alles« (Kiepenheuer & Witsch). Für die Reihe »Naturkunden« des Verlages Matthes & Seitz hat er das Buch »Eidechsen« geschrieben; ein neuer Lyrikband von ihm erscheint im Frühjahr 2021.           

Volker Sielaff lebt als Autor und Publizist in Dresden und ist Mitorganisator des Festivals für Zeitgenössische Literatur »Literatur Jetzt!«. Mehrere Gedichtbände und ein Journal. Soeben erschien im Verlag Voland & Quist / Edition Azur sein neues Buch »Barfuß vor Penelope«.