Am 10. Februar hat der Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimar die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Buchhandlungspreises 2025 bekanntgegeben. Die Bundesregierung zeichnet mit dem Preis nun zum elften Mal Buchhandlungen aus, die sich in besonderem Maße »um das Kulturgut Buch und das kulturelle Leben vor Ort verdient gemacht haben«. Aus Sachsen sind acht Buchhandlungen dabei.
Anke Schleper ist eine der beiden Inhaberinnen von ROTORBOOKS Leipzig. Sie denkt: »Wir erhalten den Preis höchstwahrscheinlich aufgrund unserer starken Spezialisierung im philosophischen Fachbereich.« Ihr Programm besteht aus sehr vielen kleinen und unabhängigen Verlagen, mit denen auch zahlreiche Veranstaltungen stattfinden – zu Kunst und Philosophie, aber auch zu Lyrik.
Das Preisgeld will sie nutzen, um neue Programme zu planen und angemessene Honorare zahlen zu können. Aktivität und Präsenz durch Veranstaltungen empfindet sie als essenziell, auch für den Aufbau der Stammkundschaft. »Man muss Literaturdiskurse fördern, damit ein Austausch in Gruppen stattfindet – das unterscheidet uns schließlich vom Onlinehandel.«
Gleich drei Leipziger Buchhandlungen haben es auf die Liste geschafft: Neben der Connewitzer Verlagsbuchhandlung auch der Kinderbuchladen Serifee. Im Dresdner Raum werden die Buchhandlung Büchers Best in der Neustadt und die Buchhandlung Sauermann in Radebeul ausgezeichnet.
Büchers Best-Inhaber Jörg Stübing sieht seine Listung pragmatisch. »Ich zitiere hier gerne Rilke: Wer spricht von Siegen – Überleben ist alles … Wir sind eigentlich froh, wenn wir unsere Ausstände begleichen können.« Die Auszeichnung führt er auf sein »barockes Veranstaltungsprogramm trotz krasser Zeiten« zurück: Zwei- bis dreimal monatlich bot er zuletzt ausgewähltes Programm mit der Partner-Location Tante Leuk – von landeskundlichen Lesungen über den Marsroman im Ultraviolett Verlag bis zu Jason McNiff, über den auch der Guardian schreibt. Jetzt hat er sich am Aufkauf der Maria Reiche-Biografie über die Erforschung der Nazca-Linien beteiligt und stellt das Projekt vor – die Zusammenstellung ist für ihn eine »Mischung wie das CocaCola-Rezept«. Das Lesungsprogramm in seinem Haus sieht er als »geradezu antizylisch, und auch mit viel Selbstausbeutung verbunden« …
Büchers Best bekommt die Auszeichnung zum vierten Mal, erklärt aber, dass sich mit der Sockelsumme nicht so viel planen lässt: »Der überwiegende Teil der Nominierten erhält 7.000 Euro, davon kann man vielleicht eine Lesereise machen.« Der nächsthöhere Preis (Hauptpreis in Silber) beträgt 15.000 Euro, und die Gold-Auszeichnung schließlich, die 3 Buchhandlungen deutschlandweit bekommen, liegt bei 25.000 Euro. Verliehen wird der Preis auf der Leipziger Buchmesse am Messedonnerstag (19. März 2026). Jährlich steht insgesamt eine Million Euro aus dem Bundeskulturhaushalt für den Deutschen Buchhandlungspreis zur Verfügung.
Ute Sauermann führt die Buchhandlung Sauermann bereits als Enkelin des Gründers. Sie hat sich mehrfach für den Buchhandlungspreis beworben, bekommt ihn aber zum ersten Mal. Fragt man sie, was wohl ausschlaggebend war: Das Ambiente, der Weinkeller, das Antiquariat – sagt sie: »Maßgeblich beteiligt ist das Team.« Bereits auf ihrer Website soll man erkennen, dass die Titel individuell ausgesucht sind: »Hier zeigen wir unsere Lieblingsbücher.« Auch Kinder an das Buch heranzuführen, ist ihr ein wichtiges Anliegen: Seit 15 Jahren macht sie Buchhandlungsführungen zum Welttag des Buches und erklärt Klassen beispielsweise die Buchpreisbindung. Häufig hätten sie danach schon Menschen besucht, die meinten: »Unser Kind hat von dem Laden erzählt …«
Sie glaubt, ein Buchgeschäft ist »noch eine kleine Insel der Glückseligkeit. Das will der Preis wohl befördern. Man soll damit nicht reich werden, sondern etwas abseits vom Mainstream machen und daran Freude haben.« Oft bekommen ihn kleine Läden mit individuellen Ideen, die auch in ländliche Regionen Kultur bringen.
In Chemnitz bekommt der Buchladen MonOkel den Preis, in Zittau die Buchkrone am Markt. Außerdem die Buchhandlung Bücherwurm in Grimma, seit drei Jahren geführt von Ines Klisch und 2019 zum letzten Mal mit dem Buchhandlungspreis ausgezeichnet.
Auch in Grimma arbeitet man an den Plänen, wie das Preisgeld investiert werden soll. Ines Klisch sind neben Veranstaltungen ihre Jugendleseclubs wichtig – sie ist nicht nur Buchhändlerin, sondern auch Literaturpädagogin. Die beiden Leseclubs, die sie organisiert, sind Jugendjurys, beispielsweise beim Jugendliteraturpreis. Sie beschreibt: »Sonst so stille Lesende kommen hier zusammen und sind plötzlich gar nicht mehr still, sondern streiten sich über Literatur – das ist wirklich ein herzerwärmendes Miteinander!« Für die Bewerbung der Buchhandlung haben die Jugendlichen sogar Videos gedreht. Jetzt würde sie mit ihnen gern mehr Verlage besuchen, deren Titel für die Buchpreise nominiert werden: »So etwas kostet Geld! Und für kleinere Buchhandlungen sind sogar Autorenlesungen ein großer Kostenfaktor.«
Text von Josefine Gottwald
zum Deutschen Buchhandlungspreis