Foto Róža Domašcyna, Bild von artgenossen.tv
Autor Volker Sielaff fragt, Bild: privat
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03.06.2021
Volker Sielaff

DIE FÜNF. Fragen an Róža Domašcyna

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Aristoteles unterschied fünf Sinne des Menschen: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tastsinn.

Nach taoistischer Tradition gibt es fünf Elemente: Wasser, Feuer, Erde, Holz, Metall.

Die Fünf ist auch die Zahl der Liebe.

Der Autor Volker Sielaff findet: Grund genug, Schriftstellerinnen und Schriftstellern fünf Fragen zu stellen und sie um grundlegende wie sinnlich-sinnige Antworten zu bitten.

Worüber haben Sie zuletzt gestaunt?

Als ich beim Gespräch mit dem Smartphone meine Enkelin betrachtete und bei einer ihrer Gesten stutzte, sie glich aufs Haar (was für ein schönes Wortbild) der Bewegung meiner Schwester, mit der sie sich in jungen Jahren das lange Haar aus dem Gesicht strich.

Worüber waren Sie zuletzt zornig?

Ich bin eher nicht aufbrausend. Die Waffenexporte Deutschland und weltweit bedrücken mich immer wieder: Lernt der Mensch denn nie dazu? Mein Vater, der 18-jährig in den Krieg musste, sagte mal: »Wer noch einmal eine Waffe in die Hand nimmt, dem soll die Hand abfaulen.« Das ist für mich Leitsatz.

Welcher Ort inspiriert Sie?

Die Orte, die der Gewalt des Menschen ausgesetzt sind oder waren, die ihm unterlagen. Egal, ob aus wirtschaftlichen oder territorialen Motiven. Sie zeigen mir mit ihren Resten die Tilgung. Und eigentlich sind es immer die alten Gewaltmuster.

In welche Zeit würden Sie sich mit einer Zeitmaschine befördern lassen?

Ich würde gern einige Zeit in Platons Platonopolis sein, um auszukundschaften, ob es nicht doch noch einen Weg in seinem Sinne gäbe, der es wert wäre, ihn auszuprobieren.

Welche historische Person würden Sie gern für eine ausgedehnte Berg- bzw. Strandwanderung treffen?

Heinrich Mann. Ich würde mit ihm durch Berlin wandern, um seinem Roman Im Schlaraffenland heute nachzugehen. Da gäbe es genügend Deckungsgleiches.

In Folge 12 lasen Sie: Fünf Fragen an Lutz Seiler 

Veranstaltungshinweis: Róža Domašcyna liest heute im Erich Kästner Haus für Literatur Lyrik zur Veranstaltung »In allen Himmelsrichtungen«.
mehr zur Lesung

Róža Domašcyna wurde 1951 in Zerna bei Kamenz (Oberlausitz) geboren und lebt heute in Bautzen. Mehrere Jahre war sie in der Redaktion der sorbi­schen Kin­der- und Jug­end­zeit­schrift Płomjo und der Tages­zeitung Nowa doba tätig. Von 1979 bis 1984 stu­dierte sie Ingenieur­ökonomie des Bergb­aus an der Inge­nieur­schule für Berg­bau und Ener­getik in Laubusch (Senften­berg). Es folgte ein Studium am Lite­ratur­institut Johannes R. Becher in Leip­zig, ehe sie sich als freis­chaffende Autorin in Bautzen niederließ. Seither hat sie zahlreiche Lyrikbände veröffentlicht, darunter auch Künst­ler­bücher. In ihren Texten nutzt sie po­etische Inter­ferenzen zwischen dem Sor­bi­schen und dem Deutschen; beide Sprachen gehen so eine Ver­bindung ein, die den von Kito Lorenc vor­ge­schlagenen Weg der Weiter­ent­wicklung sorbischer Lyrik konse­quent beschreitet. Durch ihre Verankerung im Sorbi­schen und ihrer gleichzeitgen intensiven Beziehung zur Welt entstehe ein »euro­päisches Aus­strahlen« (Wulf Kirsten). UNter anderem erhielt sie 1998 erhielt sie den Anna Seghers Preis und 2018 den Sächsischen Literaturpreis. Soeben ist im Verlag Poetenladen ihr neuer Gedichtband »Stimmen aus der Unterbühne« erschienen.

Volker Sielaff lebt als Autor und Publizist in Dresden und ist Mitorganisator des Festivals für Zeitgenössische Literatur »Literatur Jetzt!«. Mehrere Gedichtbände und ein Journal liegen vor, unter anderem »Glossar des Prinzen« und »Überall Welt«. Soeben erschien ist im Verlag Voland & Quist / Edition Azur sein neues Buch »Barfuß vor Penelope«. Michael Braun sagte dazu im Deutschlandfunk: »In seinem neuen Gedichtband »Barfuß vor Penelope« treibt Sielaff seine Sprachkunst auf die Spitze und durchläuft hierbei von Kapitel zu Kapitel immer neue Selbstverwandlungen.«