Kathrin Schmidt (c) Dirk Skiba
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02.10.2020
Annett Groh

»Seit langem schon zieht mich Dresden in seinen Bann«

Kathrin Schmidt wird Stadtschreiberin 2021

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Die Berliner Schriftstellerin Kathrin Schmidt wird 2021 das Amt der Stadtschreiberin übernehmen. Für ein halbes Jahr zieht sie in die Stadtschreiberwohnung in Dresden-Pieschen und erhält ein Stipendium, das von der Landeshauptstadt Dresden in Kooperation mit der Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden vergeben wird.

Kathrin Schmidt (*1985 in Gotha) lebt in Berlin und hat mehrere Romane und Erzählungen veröffentlicht, für die sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Begonnen hat sie als Lyrikerin, 1982 publizierte sie ihren ersten Gedichtband. Für ihren Roman Du stirbst nicht (2009) wurde ihr der Deutsche Buchpreis zuerkannt. Du stirbst nicht ist ein halb autobiographischer Roman und erzählt von einer Frau, die nach einer Hirnblutung im Koma lag und sich anschließend die Welt ganz neu zusammensetzen muss.

Zuletzt erschienen von Kathrin Schmidt der Roman Kapoks Schwestern (2016) – eine satirische Erzählung von einem ehemaligen Marxismus-Professor, der sich nach der Wende in ein brandenburgisches Dorf zurückzieht, wo er sich als Irrer ausgibt – sowie der Gedichtband waschplatz der kühlen dinge (2018), der gelobt wurde für seine »Paradoxien und Ambivalenzen, [den] schnoddrigen Trotz und sinnlichen Übermut auf festen Versfüßen« (Michael Braun, NZZ) und das »poetischen Schillern der Wörter und ihrer vielfachen Bedeutungsebenen« (Monika Vasik, fixpoetry.com).

In Dresden ist Kathrin Schmidt durch ihre Dresdner Rede am Staatsschauspiel 2010 aufgefallen, in der sie »über die sich weitenden Gräben ­zwischen den Bevölkerungsschichten in Deutschland, die Zusammenhänge ­zwischen Bildungsgrad, Berufsleben und Kinderzahl und die Abschaffung der Mittelschicht« sprach (vgl. Staatsschauspiel Dresden). 2018 war sie Finalistin beim Dresdner Lyrikpreis. Ihre Bewerbung als Dresdner Stadtschreiberin begründet Kathrin Schmidt mit den Worten: »Seit langem schon zieht mich Dresden in seinen (für mich niemals zwiespältig gewordenen) Bann.«

Die Jury legte ihre Entscheidung für Kathrin Schmidt dar: »Diese Auswahlrunde hatte es in sich. Zahlreiche, qualitativ sehr gute Bewerbungen lagen vor, diesmal deutlich mehr starke weibliche als männliche literarische Stimmen. Kathrin Schmidt setzte sich mit herausragenden Gedichten durch, die ihre lyrische Kompositionskunst einmal mehr beweisen. Die Verse verbinden ungewöhnliche sprachliche Bilder mit Musikalität, jedes Gedicht offenbart hohe Konzentration und Tiefgründigkeit. Kathrin Schmidt versteht es, eine offene Dichte in ihren Texten herzustellen, mit der sie die Möglichkeiten des poetischen Schreibens auslotet. Des Weiteren überzeugte sie auch mit einem ausführlich und leidenschaftlich beschriebenen historisch grundierten Prosa-Vorhaben, an dem sie u.a. während ihrer Zeit in Dresden arbeiten möchte.«

Mitglieder der Jury: Michael Bittner, Karin Großmann, Uta Hauthal, Julia Meyer, Juliane Moschell, Jörg Scholz-Nollau.

 

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